Thema:

Die Diffusion der Exit-Logik. Eine qualitative Studie zur Auswirkung von Venture-Capital-Finanzierungen
Bearbeiter:

Stefan Kühl
Betreuer:

Prof. Dr. Dr. Manfred F. Moldaschl
Ort:



TU Chemnitz
Problembereich:

Zurzeit erleben wir das Zusammenbrechen der Kapitalmärkte für Wachstumsunternehmen, die Pleiten von Hightech-Firmen und das Bekanntwerden von Bilanzfälschungen im großen Stil. Dieses Buch argumentiert, dass die momentanen Krisenerscheinungen das Ergebnis einer normalen Abschwungphase des Exit-Kapitalismus sind, die in den letzten dreißig Jahren bereits mehrere Vorläufer hatte.
Exit-Kapitalismus bezeichnet eine Anlagestrategie von Risikokapitalgebern, in der es nicht vorrangig um eine regelmäßige Dividende für den Kapitaleinsatz geht, sondern darum, einmal erworbene Unternehmensanteile mit einem hohen Exit-Profit zu verkaufen. Diese Exit-Logik beschränkt sich nicht auf das Investitionsverhalten von Risikokapitalgesellschaften oder Anlegern an Wachstumsbörsen. Weil Gründer, Manager und Mitarbeiter in Wachstumsunternehmen immer auch (potenzielle) Kapitalbesitzer sind, übernehmen sie - wenigstens teilweise - diese Exit-Logik.
Die Dissertation hebt die Bedeutung von Kapitalmärkten für das Verständnis von Unternehmensprozessen hervor. Die kapitalmarktorientierte Strategie im Exit-Kapitalismus (und das muss gerade in Abschwungphasen deutlich gemacht werden) kann erfolgreicher sein als eine zu enge Orientierung an Produktmärkten und kurzfristiger Profitabilität. In Hype-Phasen können erfolgreich am Kapitalmarkt agierende Unternehmen ihre hoch bewerteten Aktien als "Währung" nutzen, um Mitarbeiter, Dienstleistungen oder Unternehmen zu kaufen und so rasch zu expandieren. Nicht zuletzt deswegen orientieren sich in Hype-Phasen am Kapitalmarkt auch traditionelle Unternehmen am Vorbild risikokapitalfinanzierter Unternehmen und kopieren deren Expansionsstrategien, internen Organisationsformen und Strategien zur Mitarbeitereinbindung.
Beim Zusammenbruch von Kapitalmärkten verliert diese Währung der Unternehmen radikal an Wert, und die kapitalmarktorientierte Strategie vieler Unternehmen geht nicht mehr auf. Die Pleite vieler risikokapitalfinanzierter Unternehmen sagt jedoch wenig über deren langfristige Leistungsfähigkeit aus. Kurz: Risikokapitalfinanzierte Unternehmen brechen am Kapitalmarkt nicht ein, weil sie am Produktmarkt schlecht sind, sondern sie erscheinen am Produktmarkt schlecht, weil sie am Kapitalmarkt einbrechen.
Stefan Kühl: Er lehrt Arbeits-, Organisations- und Techniksoziologie an der Universität München, und arbeitet als Organisationsberater für die Firma Metaplan, einer international tätigen Beratungsfirma mit Kommunikationszentren in Quickborn, Paris und Princeton.
stefan.kuehl@soziologie.uni-muenchen.de
Keywords:

Finanzierung, Venture Capital
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