Thema:

Open-Source-Software - Aneignung von Innovationsrenten im kollektiven Innovationsprozess
Bearbeiter:

Dr. Joachim Henkel
Betreuer:

Prof. Dietmar Harhoff, Ph.D.
Ort:



Ludwig-Maximilians-Universität München,
Institut für Innovationsforschung und Entrepreneurship
Problembereich:

Open-Source-Software (OSS) macht seit einigen Jahren Schlagzeilen. OSS wird "typischjerweise" geographisch dezentral von Hobby-Programmierern entwickelt. Seit einiger Zeit nimmt jedoch die Bedeutung von kommerziellen Unternehmen im Bereich OSS zu. Diese kann man grob in drei Gruppen einteilen: Verkäufer von Komplementen zur betreffenden OSS (z.B. IBM), Nutzer der Software sowie dedizierte OSS-Entwicklungsunternehmen.
Insbesondere für letztere stellt sich die Frage, wie sich die durch OSS-Lizenzen teilweise erzwungene Offenheit der Software mit dem Ziel der Kommerzialisierung verträgt. Gleichzeitig bietet sich die Möglichkeit, Innovationen in einem Bereich mit lizenzbedingt schwachem Schutz von intellectual property (IP) zu untersuchen. Es stellt sich die Frage, ob Innovationen dadurch reduziert werden (da aufgrund der potenziell erschwerten Aneignung von Innovationsrenten geringere Anreize bestehen) oder ob sie beschleunigt werden (da weiterführende Innovationen vereinfacht werden und Parallelentwicklungen reduziert werden). Zudem ist die informelle Kooperation zwischen den OSS-Unternehmen und der resultierende kollektive Innovationsprozess Gegenstand der Untersuchung.
Ziel:

Ziel der Arbeit ist es, zu einem umfassenderen Verständnis des Wechselspiels zwischen Schutz und bewusster Freigabe von geistigem Eigentum beizutragen. Insbesondere sollen die innovationsfördernden Aspekte von geringem IP-Schutz und bewusster Veröffentlichung eigener Entwicklungen für innovative Unternehmen untersucht werden.

Methode:

Qualitative Interviews, Analyse von Datenquellen im Internet, spieltheoretische Modellierung. Empirisches Untersuchungsobjekt ist „embedded Linux“, d.h. Versionen von Linux, die zum Gebrauch in dedizierten Geräten wie Maschinensteuerungen und Videorecordern entwickelt werden. Beiträge zu embedded Linux kommen fast ausschließlich von kommerziellen Unternehmen, so dass es für die genannten Forschungsfragen ideal geeignet ist.

Stand des Projektes:

laufend
(vorläufige) Ergebnisse:

Kommerzielle Unternehmen, die OSS entwickeln, werden zu einem gewissen Grade durch die Open-Source-Lizenzen gezwungen, ihre Entwicklungen öffentlich zu machen. Das beobachtete Ausmaß an Freigabe von Code geht jedoch deutlich über das hinaus, was diese Lizenzen erfordern. Die Aneignung von Innovationsrenten gelingt somit besser durch freie Weitergabe zumindest mancher Entwicklungen als durch maximalen Schutz. Vorteile einer Weitergabe bestehen u.a. in externer Entwicklungsunterstützung, Standardsetzung, Marketing und Reziprozität im Rahmen informeller Kooperation. Dabei ist die Entscheidung zentral, welche Entwicklungen öffentlich gemacht werden und welche, soweit möglich, geschützt werden.
Geplantes Projektende:

Ende 2003
Keywords:

Effizienz von Innovationsprozessen, Lizenz - strategien, Nash-Gleichgewichte
© 2004 Kommission für Technologie- und Innovationsmanagement